Tina Fuchs

Bremer Hörkino am Mittwoch, 1. Mai 2019:

»Nachtgespräch« Folterüberlebende aus Syrien berichten

Folterüberlebende aus Syrien berichten

Tina Fuchs Südwestrundfunk, 2018

Morgens liegen sie im Gang mit einem Zettel um den Hals: »Nachtgespräch«. Das hat der Wärter drauf gekritzelt, der sie zuvor selbst tötete, weil sie es gewagt hatten, nachts in der Zelle zu sprechen. »Deshalb habe ich nachts niemals auch nur ein einziges Wort gesprochen«, sagen Folterüberlebende.

215.000 Männer, Frauen und Kinder wurden seit 2011 vom syrischen Geheimdienst verhaftet, schätzen syrische Menschenrechtsorganisationen. Überlebende dieser Foltergefängnisse leben auch in Deutschland. Vier von ihnen legen Zeugnis ab: von überfüllten, stinkenden und stickigen Kerkern. Kein Platz zum Sitzen. Schlafen: in Schichten aufeinander. Essen: eine Kartoffel und dreckiges Wasser. Toilettengang: einmal am Tag. Waschen: nicht. Folter: manchmal täglich.

Die Gefängnisse sind die geheime Waffe des syrischen Regimes. Die Angst davor lässt die Menschen verstummen. Dass sie für dieses Feature ihr Schweigen brechen und von ihrem Martyrium berichten, geschieht zum ersten Mal.

Tina Fuchs lebt in Stuttgart und arbeitet seit 25 Jahren beim SWR als Fernsehjournalistin. Patin von zwei aus Syrien Geflüchteten. Zusammen mit Ibrahim Alkasem und der Heinrich-Böll-Stiftung organisierte sie 2018 in Stuttgart die Ausstellung »Die Caesar-Fotos«, mit Fotos von Foltertoten aus syrischen Geheimdienstgefängnissen.

Den kompletten Bremer Hörkino Flyer 2019 herunterladen.

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