Hörkino-Archiv 2018

Renate Maurer

Renate Maurer

Mittwoch, 7. Februar 2018

„Kinderüberraschung - Aus dem Leben eines Samenspenders.“

Renate Maurer, ORF 2016

Am Anfang war es nur ein Studentenjob bei der Samenbank. Dann aber stößt Maik, Mitte Zwanzig und Student in Berlin, auf die Anzeigen lesbischer Paare und Singlefrauen in einem Stadtmagazin: „Samenspender gesucht, aber nicht Vater“. Er hilft aus, weil er es ungerecht findet, dass Samenbanken nur heterosexuelle Paare bedienen.

Geld will er keines dafür. Die Kinder sollen ihren Vater kennenlernen, ansonsten will er als Papa auf Außenposten bleiben. Vertrauen ist alles, auf Verträge mit den Müttern verzichtet er. Zehn Jahre später ist Maik Mitte 30, immer noch Student, und hat mit sechs Frauen sieben Kinder gezeugt. Und dann folgt noch eine weitere „böse“ Kinderüberraschung.

Die Geschichte ist voller überraschender Wendungen und entwickelt zunehmend bizarre Züge. Mit Blick auf Maiks Kindheit, die sich in den letzten Jahren der DDR in Erkner abspielt, nähert sie sich auch mehr den tieferen Ursachen seines unermüdlichen Einsatzes als Samenspender.

Renate Maurer hat in München Theaterwissenschaft und Germanistik studiert und fühlt sich schon lange in Berlin zuhause. Freie Autorin für Deutschlandfunk Kultur, ORF und SWR - mit Themen von Jimi Hendrix Bruder Leon bis zu Anne Franks Stiefschwester Eva.


Marie von Kuck

Marie von Kuck

Mittwoch, 7. März 2018

„Weinen hilft dir jetzt auch nicht.“

Gewalt in der Geburtshilfe

Von Marie von Kuck, Deutschlandfunk / Westdeutscher Rundfunk, 2017

Eine Geburt markiert einen Neubeginn. Ein kleiner Mensch kämpft sich im engen Zusammenspiel mit der Mutter ins Leben. Für die Frau ist eine Geburt eine Grenzerfahrung. Die werdenden Mütter Greta und Lena vertrauen darauf, dass sie in der Klinik die Hilfe und Unterstützung bekommen werden, die sie brauchen. Doch es kommt ganz anders. An den Folgen tragen die Frauen und ihre Familien bis heute.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von gravierenden Verletzungen der Menschenrechte in geburtshilflichen Einrichtungen. Die Liste der Übergriffe ist lang: Körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung, verbale Beleidigung, aufgezwungene medizinische Eingriffe, grobe Verletzung der Intimsphäre, Verweigerung der Aufnahme, Vernachlässigung während der Geburt.

Hebammen und ärztliche Geburtshelfer als Gewalttäter, kann das sein? Vertreterinnen der Organisation „Mother-Hood“ schätzen, dass in Deutschland 40 bis 50 Prozent der Mütter betroffen sind. Es geht also nicht um eine Randerscheinung. Aber es geht um ein gesellschaftliches Tabu.

Marie von Kuck, geboren in Leipzig, ist ausgebildete Puppenspielerin und Theatertherapeutin. Sie schreibt Radio-Feature, Reportagen und Hörspiele. 2009 erschien ihr Hörbuch „Unsere versäumten Tage. Liebesbriefe von NVA-Soldaten“. 2013 wurde ihr Radio-Feature „Der Mut der Mücke. Lebensstrategien Alleinerziehender“ mit dem Deutschen Sozialpreis ausgezeichnet.


Inga Lizengevic

Inga Lizengevic

Mittwoch, 4. April 2018

Drei Länder

Meine dreifach gespaltene Persönlichkeit

Von Inga Lizengevic, Südwestrundfunk, 2016

„Nach der Annexion der Krim durch Russland habe ich viele russische Freunde verloren. Ich komme damit nicht klar. Weder mit der Reaktion meiner Freunde, noch mit der russischen Aggression. Ich bin in Russland geboren, mein Vater ist Ukrainer, meine Mutter Belarussin. Nun habe ich eine dreifach gespaltene Persönlichkeit.

Meine drei Teile streiten und bekriegen sich. Würde ich als Russin imperiale Ansprüche auf Nachbarländer stellen? Würde ich als Ukrainerin für die Integrität meines Landes kämpfen? Ich habe drei Alter Egos gefunden, Schauspielerinnen aus Kiew, Moskau und Minsk. Jede dieser drei hat einen eigenen Blick auf die Situation. Ich lasse sie sprechen, um mich selbst zu verstehen.”

Inga Lizengevic, geboren in Russland, aufgewachsen in Belarus, Russland und der Ukraine, studierte in Minsk und Berlin. Sie lebt als Theaterregisseurin, Hörfunkautorin und Dokumentarfilmerin in Berlin.


Margot Overath

Margot Overath

Mittwoch, 2. Mai 2018

Benno Ohnesorg

Chronik einer Hinrichtung

Von Margot Overath, Rundfunk Berlin-Brandenburg / Norddeutscher Rundfunk / Bayerischer Rundfunk, 2017

Der 2. Juni 1967, der Tag, an dem Benno Ohnesorg erschossen wurde, war eine Zeitenwende. Die Studentenbewegung radikalisierte sich, bewaffnete Gruppen bildeten sich, eine führte sogar das Datum in ihrem Namen. Die genauen Umstände, die zu Ohnesorgs Tod führten, wurden nie geklärt. Schon damals gab es Indizien für einen Mord, doch trotz erdrückender Beweislast wurde der Berliner Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras nicht für seine Tat verurteilt. 2009 wurde er als Stasi-Spion enttarnt. Benno Ohnesorgs Sohn beantragte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Da jedoch Kurras nicht im Auftrag der Stasi geschossen hatte, zeigte die Berliner Justiz wenig Interesse.

Wie gelang es der Polizei, Kurras vor der Bestrafung zu schützen? Wie wurde die Vertuschung organisiert, wann begann sie und welche Rolle spielte die Justiz? Margot Overath beschäftigt sich seit fünfzehn Jahren mit dem Thema. Für ihr neues Feature sprach sie mit Zeitzeugen und am Einsatz beteiligten Polizeibeamten über die Tat, den Tag und die Folgen bis heute.

Margot Overath erhielt für ihr Feature „Oury Jalloh. Die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls“ zahlreiche Preise. 2016 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Axel-Eggebrecht-Preis ausgezeichnet. Zusammen mit Klaus Gietinger ist Margot Overath auch die Autorin der TV-Dokumentation “Wie starb Benno Ohnesorg?“


Lorenz Rollhäuser

Lorenz Rollhäuser

Mittwoch, 6. Juni 2018

Eine Liebe zu schwarz

Mein koloniales Innenleben, revisited

Von Lorenz Rollhäuser, Norddeutscher Rundfunk, 2017

Als weißer Ehemann einer schwarzen Frau und als Vater schwarzer Kinder hat der Autor täglich mit Rassismus zu tun. Nun muss er sich eingestehen, dass seine Liebe zu Afrika, zu schwarzer Kultur, zu schwarzen Menschen von kolonialen Strukturen bestimmt ist – so wie bei anderen Menschen deren Ablehnung. Die Projektionen auf schwarze Frauen als Trägerinnen besonderer Sinnlichkeit, auf Afrika als dunkel lockende Welt sind bis heute wirksam, so sehr er sich dafür schämt.

Der Autor erinnert sich, wie ihm Afrika in seiner Kindheit in Abbildungen nackter Körper begegnete, er erinnert sich auch an seine Reisen, die ihn möglichst tief ins Herz der Finsternis führen sollten: auf den Kongo, in eine verlassene Mine, in den Dschungel, draußen bei Nacht. Und er besucht einen Cousin, der von einer möglichen schwarzen Verwandtschaft in der Familie lieber nichts wissen will. Das koloniale Erbe ist dabei immer präsent.

Lorenz Rollhäuser, Jahrgang 1953, ist Feature-, Hörspiel- und Buchautor. Sein Feature „Mutters Schatten – Kehraus im Elternhaus“ wurde als bestes europäisches Radiofeature mit dem Prix Europa ausgezeichnet. Zuletzt produzierte er das ebenfalls für den Prix Europa nominierte Feature „Kreuzberg von oben – Ein Versuch über Geld und Moral“.


Stefanie Müller-Frank

Stefanie Müller-Frank

Mittwoch, 5. September 2018

Sterben nach Plan

Protokoll einer letzten Reise

Von Stefanie Müller-Frank, Deutschlandfunk / Westdeutscher Rundfunk, 2017

Sie sind alt, aber nicht todkrank. Sie wollen gemeinsam sterben und kennen den genauen Ablauf der Sterbebegleitung. Jetzt fehlt nur noch jemand, der nach dem Tod ihre Leichen identifiziert. Tochter und Pfarrer zögern, Freunde und Nachbarn sollen nichts davon wissen. Deshalb fragen sie die Autorin.

“Going to Switzerland” hat sich in Großbritannien als Euphemismus für begleiteten Suizid eingebürgert, auch viele Deutsche reisen zum Sterben in die Schweiz. Wie aber organisiert man den eigenen Tod? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um überhaupt selbstbestimmt sterben zu dürfen? Warum darf man das nicht in einem Wohngebiet tun, und warum ermittelt die Polizei? Und was bedeutet der Suizid für die Familie?

Das Feature erzählt von einem alten Paar, das zwar den Zeitpunkt des eigenen Tods selbst bestimmen will, sich aber letztlich doch in fremde Hände begibt. Teilweise kommt es zu grotesken Momenten.

Stefanie Müller-Frank ist freie Journalistin für Radio und Print. Ihr Feature „Sterben nach Plan – Protokoll einer letzten Reise“ stand auf der Shortlist für den Prix Italia. Sie ist Mitglied im Reporter-Forum Schweiz.

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Regina Burbach

Regina Burbach

Mittwoch, 3. Oktober 2018

„Brauch’ ich nicht“

Minimalismus als Lebensform

Von Regina Burbach, Südwestrundfunk, 2016

500, 300, 100 … kann es noch weniger sein? 10.000 Dinge besitzt ein Durchschnitts-europäer. Minimalisten versuchen, mit einem Bruchteil davon auszukommen. Sie reduzieren radikal. Weniger Dinge, weniger Zwänge, behaupten sie. Mit wenigen Dingen reicht die kleinere Wohnung für weniger Miete. Bei weniger Miete entfällt der Zwang, einen Großteil des Einkommens dafür herzugeben, man kann es sich also leisten, weniger zu arbeiten. Und man ist mobil.

Extrem-Minimalisten besitzen auch keine Möbel, ihr Besitz passt in einen Koffer. Der freiwillige Verzicht erhöht die Selbstbestimmung. Wie lebt es sich, wenn so vieles aus Sicht der Nicht-Minimalisten Unverzichtbare fehlt? Wie lebt es sich in fast leeren Räumen?

Regina Burbach ist freie Autorin für ARD-Sender. Bevor sie beim WDR mit der Radioarbeit begann, war sie in einem IT-Konzern Softwaretrainerin für Computer-Netzwerke. Ihre aktuellen Lieblingsthemen: Lebensmodelle und Zukunft. Neben Radiofeatures produziert sie Short Storys und elektroakustische Klangstücke. Sie lebt in Bremen.

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Michael Weisfeld

Michael Weisfeld

Mittwoch, 7. November 2018

Der Scharfschütze

Wie ein deutscher Ex-Soldat für 20 Jahre in US-Haft kam

Von Michael Weisfeld, Südwestrundfunk, 2017

Der ehemalige Bundeswehrsoldat Dennis Gögel suchte das große Geld, fand die falschen Freunde und sitzt nun im Gefängnis. Verurteilt wegen Verschwörung zum Auftragsmord, der nie begangen wurde. Die Anstifter: Agenten der US-amerikanischen Antidrogenbehörde DEA.

Filmreif, was im Prozess zur Sprache kommt: Eine Gruppe von Söldnern lebt auf großem Fuß in einer thailändischen Villa und plant die Ermordung eines Drogenfahnders in Afrika. Der Autor zeichnet den Weg eines Mannes nach, der sich als Söldner verdingte und zu Vielem bereit war, bis er Fahndern auf der Jagd nach großen Fischen als Beifang ins Netz ging.

Michael Weisfeld, geboren 1947, war Industriearbeiter und später Reporter. Er ist seit vielen Jahren ausschließlich für die ARD-Sender tätig. Zuvor arbeitete er für die taz und andere Zeitungen. Hat nie einen Preis bekommen.

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Charly Kowalczyk

Charly Kowalczyk

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Männlich. Alleinerziehend.

Oder: „Bei uns läuft das anders“

Von Charly Kowalczyk, Norddeutscher Rundfunk, 2018

Oliver hat sich alles ganz anders vorgestellt. Er wollte mit Frau und Kindern als Familie leben. Das ging schief, seine Ehefrau zog aus. Seit über sechs Jahren leben sie nun ohne die Mutter zu viert zusammen: Oliver (39), sein Sohn Leon (8) und die Zwillinge Lukas und Lena (7).

Wie kommt er damit klar, dass er zwischen Hausaufgabenkontrolle, Fußballplatz und Kochen kaum noch Zeit für sich hat? Eine Frage, die man alleinerziehenden Frauen eher nicht stellt, Männern schon. In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Alleinerziehende. 90 Prozent von ihnen sind Frauen, aber der Anteil der Männer wächst.

Bereiten alleinerziehende Väter ihre Kinder anders auf das Leben vor als Mütter? Eine Woche lang begleitet der Autor die Familie und erzählt dabei mitten aus ihrem Alltag.

Charly Kowalczyk lebt in Potsdam. Er schreibt Features, Reportagen und Sachbücher. Und er veranstaltet mit Beate Hoffmann zusammen das Bremer Hörkino. Er träumt davon, dass in Zukunft mehr Autorinnen und Autoren aus benachteiligten Schichten Feature schreiben.

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