Hörkino-Archiv 2019

Helmut Kopetzky

Helmut Kopetzky

Matthias von Spallart

Matthias von Spallart

Mittwoch, 6. Februar 2019

Der Kunstkopf-Mann

Von Helmut Kopetzky

Herbst 1980. Ein Mann packt das Nagra-IV-Aufnahmegerät und 120 Spulen Magnetband, dazu ein Paar gerade erfundene „Dummy Head Mikrophone“ für Kunstkopf-Aufnahmen, die den Klang so räumlich wiedergeben sollen, wie keine andere Technik zuvor. Sein Plan: die letzten Refugien der brasilianischen Urbevölkerung klanglich einzufangen und mit der Akustik der beginnenden industriellen Ausbeutung des Regenwalds ohne eigenen Kommentar zu konfrontieren. Vor Ort erweist sich die Idee als undurchführbar. Der 37-jährige Hörspielmacher Matthias von Spallart erhängt sich nach der Rückkehr von seiner abenteuerlichen Reise.

Helmut Kopetzky, 1940 in Nordmähren (jetzt Tschechische Republik) geboren, journalistische Ausbildung und Studium. Zeitungsreporter und Redakteur der Feature-Abteilung des SFB Berlin. Er produzierte über 100 lange Radio-Feature, Schwerpunkte: Gesellschaftliches Leben in der Bundesrepublik, Sowjetunion / Russland, Südamerika.

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Martina Keller

Martina Keller

Mittwoch, 6. März 2019

Krebsheiler

Das Geschäft mit der Hoffnung

Martina Keller Westdeutscher Rundfunk/Deutschlandfunk/Norddeutscher Rundfunk, 2018

Ein Heilpraktiker aus Brüggen-Bracht behandelte schwerstkranke Krebspatienten mit einem Wirkstoff, der nicht nach dem Arzneimittelrecht zugelassen ist. Drei Patienten sterben, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Tragödie ist kein Einzelfall.

Jeder zweite Krebspatient – so eine Schätzung – greift auf Angebote von alternativen Heilern zurück. Die Ausbildung von Heilpraktikern ist nicht geregelt. Sie müssen beim Gesundheitsamt einen Test über elementare medizinische Kenntnisse absolvieren, praktische Fähigkeiten werden meist nicht überprüft. Trotzdem dürfen sie selbsterfundene Rezepturen verabreichen und vieles, wofür Ärzte oder Pflegepersonal eine Ausbildung brauchen: wie Krankheiten diagnostizieren und Spritzen geben.

Die Wirksamkeit alternativer Krebstherapien ist meist nicht belegt, manche schaden den Patienten sogar. Was treibt Krebskranke in die Arme alternativer Heiler? Was unternimmt die Politik, um Patienten vor lebensgefährlichen Auswüchsen zu schützen?

Martina Keller ist freie Wissenschaftsjournalistin in Hamburg, arbeitet für Printmedien wie »Zeit« und »Geo« und produziert Hörfunk-Features für die ARD. Ein Schwerpunkt sind investigative Recherchen, eine willkommene Abwechslung der Fußball. Mit Annette Scheld lädt sie seit Ende 2017 zum »Hörkiosk Hamburg« ein – inspiriert auch durch das »Bremer hörkino«

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Brigitte Kramer

Brigitte Kramer

Mittwoch, 3. April 2019

15 Jahre Bremer hörkino! Preisverleihung Debüt-Feature-Preis „Rüdi hört“

Zum siebten Mal wird der »Feature-Preis Bremer hörkino« verliehen. Damit möchten Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk Autorinnen und Autoren auszeichnen und ermutigen, interessante und wichtige Hör-Stücke zu produzieren – auch in Zeiten, (…)

Zum siebten Mal wird der »Feature-Preis Bremer hörkino« verliehen. Damit möchten Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk Autorinnen und Autoren auszeichnen und ermutigen, interessante und wichtige Hör-Stücke zu produzieren – auch in Zeiten, in denen der Wortanteil und aufwändig recherchierte Geschichten weniger werden. In diesem Jahr würdigen wir mit dem Preis die Leistung für ein Debüt-Feature.

Wir feiern mit Sekt und Selters und präsentieren das Preisträger-Feature.

Der Preis und die Bronze-Skulptur »Rüdi hört« des Berliner Künstlers Zoppe Voskuhl geht an Brigitte Kramer für »Lärm in der Tiefe – Wie Unterwasser-Krach die Meere kaputt macht«.

Lärm in der Tiefe
Wie Unterwasser-Krach die Meere kaputt macht

Brigitte Kramer Bayerischer Rundfunk, 2018

Walgesänge, sanftes Blubbern, große Stille. So stellen wir uns den Klang der Unterwasserwelt vor. In Wahrheit wird es in den Meeren immer lauter: Schiffsmotoren, Sonare, Echolote, Bohrinseln und Bagger machen permanent Lärm. Das verbreitet sich im Wasser viermal besser als in der Luft. Umweltschützer haben vor kurzem eine »Lärmkarte« des Mittelmeers gezeichnet. Darauf gibt es kaum noch ruhige Flecken.

Neuste Studien zeigen, dass Unterwasserlärm nicht nur bei Walen, sondern auch bei Fischen, Wirbellosen und sogar bei Plankton großen Schaden anrichtet: Verlust der Orientierung, Missbildungen, Massensterben.

Brigitte Kramer reiste für ihr Feature nach Montenegro, Ibiza und Sizilien, sprach dort mit Aktivisten und brachte viele Töne mit, auch aus zwei Kilometern Tiefe. Nach und nach tauchen wir also ab: in die Klangwelt des Mittelmeers. Brigitte Kramer ist freie Journalistin und lebt in Spanien. Ihr Handwerk hat sie an der Münchner Journalistenschule gelernt.

Der Feature-Preises Bremer hörkino wird gestiftet von swb und den beiden Veranstaltern des hörkinos

Wir danken der Jury: Eva Gliem, hörkino-Gast, Helmut Kopetzky, Feature-Autor Tobias Nagorny, Kulturredakteur bei Radio Bremen.

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Tina Fuchs

Tina Fuchs

Mittwoch, 1. Mai 2019

»Nachtgespräch«

Folterüberlebende aus Syrien berichten

Tina Fuchs Südwestrundfunk, 2018

Morgens liegen sie im Gang mit einem Zettel um den Hals: »Nachtgespräch«. Das hat der Wärter drauf gekritzelt, der sie zuvor selbst tötete, weil sie es gewagt hatten, nachts in der Zelle zu sprechen. »Deshalb habe ich nachts niemals auch nur ein einziges Wort gesprochen«, sagen Folterüberlebende.

215.000 Männer, Frauen und Kinder wurden seit 2011 vom syrischen Geheimdienst verhaftet, schätzen syrische Menschenrechtsorganisationen. Überlebende dieser Foltergefängnisse leben auch in Deutschland. Vier von ihnen legen Zeugnis ab: von überfüllten, stinkenden und stickigen Kerkern. Kein Platz zum Sitzen. Schlafen: in Schichten aufeinander. Essen: eine Kartoffel und dreckiges Wasser. Toilettengang: einmal am Tag. Waschen: nicht. Folter: manchmal täglich.

Die Gefängnisse sind die geheime Waffe des syrischen Regimes. Die Angst davor lässt die Menschen verstummen. Dass sie für dieses Feature ihr Schweigen brechen und von ihrem Martyrium berichten, geschieht zum ersten Mal.

Tina Fuchs lebt in Stuttgart und arbeitet seit 25 Jahren beim SWR als Fernsehjournalistin. Patin von zwei aus Syrien Geflüchteten. Zusammen mit Ibrahim Alkasem und der Heinrich-Böll-Stiftung organisierte sie 2018 in Stuttgart die Ausstellung »Die Caesar-Fotos«, mit Fotos von Foltertoten aus syrischen Geheimdienstgefängnissen.

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Marie von Kuck

Marie von Kuck

Mittwoch, 5. Juni 2019

Täter in Uniform

Polizeigewalt in Deutschland

Marie von Kuck Südwestrundfunk/Deutschlandfunk/Westdeutscher Rundfunk, 2018

Wenn Polizisten in Deutschland Straftaten begehen, werden sie nur sehr selten zur Verantwortung gezogen – begünstigt durch ein System, in dem Gewalt von Polizisten nicht unabhängig untersucht wird. Dafür landen nicht selten die Opfer auf der Anklagebank. Doch was, wenn Polizisten selbst zur Gefahr werden? Die Liste der Vorwürfe ist lang: Anschläge auf friedliche Bürger, Misshandlungen in Gewahrsamszellen, sogar Totschlag und Mord im Dienst. Die Polizeigewerkschaft spricht von bedauerlichen Ausnahmen und schwarzen Schafen.

Amnesty International kritisiert strukturelle Polizeigewalt in Deutschland: Strafanzeigen gegen Polizisten führen selten zu einem Verfahren, Geschädigte, die sich wehren, bekommen dagegen die ganze Härte des Gesetzes zu spüren. Im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt werden Polizisten nur selten verurteilt. Wird der Rechtsstaat seinem Anspruch noch gerecht?

Dieses Feature errang beim Prix Europa 2018 den zweiten Platz in der Kategorie »current affairs«?–?und somit die besondere Empfehlung der Jury.

Marie von Kuck, in Leipzig geboren in der Oppositionsbewegung aktiv, studierte Puppenspiel und ist Theatertherapeutin. Für den Rundfunk schreibt sie Reportagen, Hörspiele und Radio-Features. Erhielt den Deutschen Sozialpreis und den Medienpreis des Deutschen Roten Kreuzes.

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Udo Zindel

Udo Zindel

Mittwoch, 4. September 2019

Die Vogelmenschen von St. Kilda

Schottlands entlegenstes Archipel und der Klimawandel

Udo Zindel Südwestrundfunk, 2018

Ein Dutzend Menschen und eine Million Seevögel leben heute auf St. Kilda – der außergewöhnlichsten Inselgruppe Schottlands. Sechs Jahrtausende lang hatte dort eine ebenso kleine wie handfeste Kultur überlebt, vor allem dank des enormen Reichtums an Seevögeln. Die Insulaner mauerten etwa 1.500 Vorratshäuschen aus Naturstein und bepflanzten die Dächer mit Gras: zum Trocknen von Torf und Grassoden, den einzigen Brennstoffen, und zum Schutz der Vorräte vor rauem Seewetter. Und so ist das entlegene Saint Kilda, auch nach dem Exodus der Insulaner 1930, die weltweit am besten erhaltene Kulturlandschaft ihrer Art. Traurig zu wissen, dass die Seevogelbestände wegen des Klimawandels dramatisch zurückgehen. Manche Arten sind weitgehend verschwunden. »Die Inseln könnten sich bis zur Unkenntlichkeit verändern«, warnt der National Trust for Scotland.

SWR-Reporter Udo Zindel hat sich auf den weiten Weg gemacht, das – noch – größte Seevogel-Habitat im Nordostatlantik zu erkunden und mehr über St. Kilda zu erfahren.

Udo Zindel besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte Geografie, Politische Wissenschaften und Neuere Geschichte. Er arbeitet als Hörfunkredakteur für den SWR und unterrichtet an den Universitäten Tübingen und Konstanz als Gastdozent.

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Lore Kleinert

Lore Kleinert

Mechthild Müser

Mechthild Müser

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Der Augenmensch

Porträt des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom

Lore Kleinert und Mechthild Müser Radio Bremen, 2018

Er ist ein Reisender, ein neugieriger Nomade, unterwegs in der Welt zwischen Tradition und Moderne, in Städten, die noch nicht im Heute angekommen scheinen, in Kulturen, über die er gelesen hat und die vor Ort völlig Unverhofftes bieten.

Cees Nooteboom sammelt Länder und Landschaften, Begegnungen mit Menschen. Seine Eindrücke bringt er in vielfältigen Formen zu Papier: als Gedichte, Reiseberichte, Briefe und Erzählungen und als Romane, vielfach preisgekrönt. Die Reisen des Umtriebigen sind kaum weniger geworden, und er lebt wechselweise auf Menorca, im Allgäu und in Amsterdam.

Dort haben die Autorinnen ihn und seine Frau, die Fotografin Simone Sassen, besucht und mit ihnen gesprochen: über den Verlust der Kindheit und das Gewicht der Erinnerung, über Bilder und Bücher, die Unruhe des Reisens und den Wert der Freundschaft. Weggefährten und Freunde kommen zu Wort, umgeben von Texten und Gedichten, die dem Schriftsteller besonders viel bedeuten.

Lore Kleinert arbeitet als Literaturkritikerin und Autorin – nach einem langen Radio-Bremen-Leben als Feature-Autorin, Kulturjournalistin, Moderatorin und Abteilungsleiterin Kultur. Mitorganisatorin von »globale°- Festival für grenzüberschreitende Literatur«.

Mechthild Müser war Redakteurin bei Radio Bremen Zwei. Schreiben und Reisen sind für sie wichtige Lebenselixiere. Ihre Reisereportage aus dem Amazonasbecken ist für den Columbus-Radiopreis nominiert.

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Eleni Klotsikas

Eleni Klotsikas

Mittwoch, 6. November 2019

Im Stich gelassen

Wenn die Justiz überlastet ist

Eleni Klotsikas Südwestrundfunk, 2018

Immer wieder sind Gerichte in Deutschland überlastet, Verfahren ziehen sich über Jahre hin, Anklageschriften stapeln sich. Bei vielen Gerichten fehlt es am nötigen Personal und an der Ausstattung, bei manchen Richtern aber sind die Probleme hausgemacht. Während einige nahe am Burnout arbeiten, um das Pensum zu schaffen, gehen andere umfangreichen Nebentätigkeiten nach.

Die Folgen: das Verfahren gegen einen vorbestraften Sexualstraftäter, der mehrere Kinder vergewaltigt hat, ist sieben Jahre nach der Anklageerhebung noch immer nicht beendet. In einem der größten Fälle von Bilanzmanipulation und Kreditbetrug hängt ein Insolvenzverfahren seit Jahren in der Luft. Schadenersatzansprüche gegen die vermeintlichen Betrüger kann der Insolvenzverwalter nicht geltend machen, weil die Gerichte überlastet sind. Anleger und Investoren befürchten gar den Verlust ihrer Ansprüche, weil das Strafverfahren gegen die Verantwortlichen zu verjähren droht. Menschen, die Gerechtigkeit erwarten, fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen.

Eleni Klotsikas ist freie Journalistin und arbeitet für das ZDF und für ARD-Hörfunksender. Sie produziert Feature und Berichte unter anderem für die Sendung Frontal 21. Ihre Leidenschaft gehört dem investigativen Journalismus. Zuletzt deckte sie Missstände in der Justiz auf und recherchierte über Korruption bei der Vergabe von Sozialwohnungen.

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Jens Schellhass

Jens Schellhass

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Intensivstation Schule

Ein Feature über den Alltag in einer Lernfabrik

Jens Schellhass Radio Bremen, ARD-Radiofeature, 2018

Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie ist die Wiege unserer volkswirtschaftlichen Zukunft und die Fabrik, die Bildung vermitteln und leistungsstarken Nachwuchs hervorbringen soll. Doch das Schulsystem krankt. Die zunehmenden sozialen Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft sind in den Klassenräumen angekommen. Armut, Migration, Aggression und familiäre Vernachlässigung halten Einzug in den Schulalltag. Lehrer und Schüler werden gleichermaßen zu Opfern des Systems. Hier Lehrer, die bei allem Engagement an ihre Leistungsgrenzen stoßen – dort Schüler, deren individuelle Begabung systembedingt verkümmern muss, weil es an Förderung und Beachtung fehlt.

Drei Jahrzehnte nach Ende der eigenen Schulzeit hat sich der Autor noch einmal auf die Schulbank gesetzt. Für ein knappes Jahr. Um Einblick zu erhalten hinter die Kulissen eines verstörenden Schulbetriebs.

Jens Schellhass lebt als Autor in Bremen. Für seine Features und Reportagen ist er mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Deutschen Radiopreis, dem DRK-Medienpreis und dem Feature-Preis Bremer hörkino. Seine Produktionen suchen vor allem nach sinnlichen Darstellungsformen von komplexen Inhalten und Hintergründen.

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