bremer hörkino

Radio-Geschichten live erleben

Thomas Hartmann, Charly Kowalczyk, Katharina Mickley, Andy Müller, Frank-Daniel Nickolaus, Marianne Schnakenberg
Charly Kowalczyk, Frank-Daniel Nickolaus, Marianne Schnakenberg
Marianne Schnakenberg, Frank-Daniel Nickolaus, Thomas Hartmann
Katharina Mickley, Andy Müller
Katharina Mickley, Thomas Hartmann, Marianne Schnakenberg
Ellen Stolte
Marianne Schnakenberg, Katharina Mickley, Thomas Hartmann, Hedwig Thelen, Charly Kowalczyk, Ellen Stolte, Andy Müller
Frank-Daniel Nickolaus

Mo, 27.11.2023

„Einsamkeit inklusiv“ – eine ungewöhnliche Radio-Werkstatt mit dem Martinsclub Bremen

Einen besonderen Hörkino-Abend gibt es am 6. Dezember: Charly Kowalczyk hat in einer Radio-Werkstatt mit sieben Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein Feature entwickelt. Einer von ihnen ist Frank-Daniel Nickolaus. Er hat aufgeschrieben, wie die Interviews seine Einsamkeitsgefühle berühren.

Einsamkeit wird in unserer Gesellschaft meist als etwas Negatives angesehen. Dadurch empfinden auch die meisten Menschen diese als Belastung. Es schmerzt einfach einsam zu sein. Sie zerfrisst einen. Viele Menschen fühlen sich in unserer Gesellschaft einsam. Es sind jedoch nicht nur alte, kranke, körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen. Auch viele junge Menschen fühlen sich allein gelassen und ungeliebt. Das tut weh und kann auch körperlich krank machen und isolieren. Viele Menschen fühlen eine innere Leere. Sie haben das Gefühl überflüssig und ungeliebt zu sein. Viele sind ohne Partner unglücklich und suchen krampfhaft nach einem Lebensgefährten - auch wenn das nicht heißt, das dann alle Probleme gelöst sind.

Von anderen gemocht oder begehrt werden. Jung sein. Sich ständig in Gesellschaft befinden. Diese Zwänge kennen viele. Wenn man sie nicht erfüllen kann, können sich Einsamkeitsgefühle noch verstärken. Einsamkeit kann krank machen, psychisch und physisch. Aber – und das ist die gute Nachricht - auch das Alleinsam hat positive Seiten. Es kann die Persönlichkeit stärken. Es schafft Freiräume, sich selbst zu finden. Manche Menschen meditieren zum Beispiel. Wobei, es gibt schon einen Unterschied zwischen Allein-Sein oder Einsam-Sein.

Sieben Lebensgeschichten, ungewöhnliche Interviews

In unserem Feature zeigen wir, dass wir Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Radio-Werkstatt sehr unterschiedliche Erfahrungen damit haben. Jede und jeder bringt eine eigene Lebensgeschichte mit. Wir unterscheiden uns durch Alter, Herkunft, Lebenserfahrung und die Art unserer Beeinträchtigungen. Das ist uns sehr deutlich geworden, als der Journalist Charly Kowalczyk uns interviewt hat. Aber wir haben auch viel über die anderen erfahren. Schön ist, dass wir uns besser kennenlernen konnten und uns besser einfühlen können. Und wir durften selbst Fragen an öffentliche Personen stellen: Unter Charlys Regie haben wir die Bundesfamilienministerin Lisa Paus befragt und Maike Luhmann, die Professorin für Psychologie an der Uni Bochum. Wir haben mit Jürgen Dusel gesprochen, dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, mit dem Bundesvorstand der Deutschen Bahn. Wir haben darüber gesprochen, wie wesentlich das Recht auf Selbstbestimmung ist - und dafür wollen wir Anerkennung schaffen. Schwieriger wird es beim Thema Einsamkeit. Hier haben wir erlebt, dass es oft tabuisiert und in Hinsicht auf Inklusion sogar ignoriert wird.

Bruchstellen in meinem Leben

Mir war früher Einsamkeit meist fremd, denn ich stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Und dann der schwere Unfall, der meine Situation ins Gegenteil verkehrte. Ich verlor meine Arbeit, meine Aufgabe, mein Zuhause, meinen Freundeskreises. Und ich verlor meine sozialen Integration: politisch, kulturell und in der Kirchengemeinde. Es folgte der finanzielle Bankrott und vor allem der Verlust meiner geliebten Heimat Berlin. Ich musste umziehen in eine neue Stadt, nach Bremen, mit unbekannter Struktur, ohne Kontakte, teilweise Demütigungen und mit räumlicher Isolierung. All das ließ mich so einsam werden, dass ich daran chronisch erkrankte. Jetzt hoffe ich, dass ich Möglichkeiten finde, die mich genesen lassen. Ich denke, dass es für alles eine Lösung gibt. Dabei hat mir unsere Radio-Werkstatt geholfen: Ich habe fachlich etwas gelernt über das Radiomachen. Und ich habe durch die Interviews, durch die Erfahrungen der anderen in unserem Team und unseren Reflexionen neue Lösungsansätze gefunden.
Martin Luther King hat es so ausgedrückt: „Wir müssen endliche Enttäuschungen akzeptieren, aber niemals die unendliche Hoffnung verlieren.“

Frank-Daniel Nickolaus war Architekt und Städteplaner. Später arbeitete er als Journalist. Vor zehn Jahren hatte er einen Unfall, der sein Leben auf den Kopf stellte. Er ist Teilnehmer der Radio-Werkstatt, die vom Martinsclub initiiert wurde.

‹ zurück