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Radio-Geschichten live erleben

Laudatio von Regina Dietzold, Hörkino-Featurepreis 2011

Mi, 18.02.2026

Adieu, liebe Regina

Seit Beginn des Hörkinos vor 22 Jahren war sie begeisterte Hörerin und Unterstützerin. „Ich finde es wunderbar in einer Gemeinschaft intensiv zuzuhören - es ist eine wunderbare Gemeinschaftsaktion, das kann ein Podcast nicht ersetzen“, sagte sie beim 20-jährigen Jubiläum. Sie war eine Netzwerkerin und eine Macherin, die für ihre Überzeugungen eintrat. Im Januar ist Regina Dietzold gestorben. Wir vermissen unsere Hörkino-Freundin.

„Ich habe so gern gelebt.“ Dieser Satz von Regina begleitete uns bei ihrem Abschied im Februar. In der Trauerrede gab es einige ihrer klugen Zitate, viele davon gespickt mit ihrem augenzwinkernden Humor, mit dem sie auch über sich selbst lachen konnte. 22 Jahre hat sie das Hörkino begleitet, mit Ideen für Feature und für das Hör-Format. In den Anfängen kam sie vor allem als Mitglied der Bremer „Hörsturz-Initiative“, die sich gegen den Abbau von Wortbeiträgen und für den Erhalt der längeren journalistischen Formen bei Radio Bremen engagierte. „Wir wollen“, sagte sie 2001 als Hörsturz-Sprecherin, „nicht gegen den Intendanten Glässgen arbeiten, aber so viel wie möglich Radiokultur erhalten.“ Nach der Programm-Reform äußerte sich Hörsturz recht anerkennend: „Da hat sich was einigermaßen Ordentliches herauskristallisiert, das man sich anhören kann“, sagte Regina. Den Relaunch bewertete sie trotzdem als „Rückschritt“, weil das Programm wieder „häppchenförmiger“ geworden sei. 2011 war Regina in der Jury für den „Feature-Preis Bremer Hörkino“ und ehrte die beiden Preisträger*innen mit einer pointierten Laudatio – Margot Overath für „Verbrannt in Polizeizelle Nr. 5“ (MDR) und Rainer Kahrs für „Waffenschiff Faina“ (Radio Bremen).

Mit Beharrlichkeit und Humor

Beim Hörkino-Jubiläum zum 20-Jährigen sprach sie über das gemeinschaftsstiftende Hören und wir freuten uns über ihr Lob, gute Netzwerker zu sein. Wie Regina es ja auch selbst war - eine Frau mit großem Herzen und einer klaren politischen Haltung. Mit dieser Haltung hielt sie nicht hinterm Berg und sie handelte: kümmerte sich um Flüchtlinge, trat für ein lebenswertes Bremer Steintor ein (ja, sie scheute sich auch nicht, kleine Zettel an die Autos zu heften, wenn mal wieder kein Platz auf Fußwegen blieb – „scheiße geparkt“), arbeitete im Vorstand des Bremer Martinsclub beharrlich an einem Mehr an Inklusion. Hartnäckig-charmant arbeitete sie auch daran, Charly Kowalczyk als Autor zu gewinnen, der in einem besonderen Projekt über drei Jahre gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigungen ein Feature entwickelte: „Einsamkeit inklusiv“.

Regina engagierte sich im Verein „Freiheit für die Westsahara“ für das Selbstbestimmungsrecht des sahaurischen Volkes und begleitete mit der ihr eigenen Herzlichkeit Menschen aus der Westsahara, die in Bremen eine neue Heimat gefunden haben. in den Lagern der Westsahara lernte sie die Autorin Olivia Wimmer kennen. Dass Wimmers Feature am 4. März 2026 im Hörkino gespielt wird, war Reginas Idee und es war ihr ein Herzensanliegen. Noch vom Krankenbett aus hat sie mitorganisiert und uns mit Kontakten unterstützt.

Als sie beim 20-jährigen Hörkino-Jubiläum 2024 gefragt wurde, was sie uns als Macher*innen für die Zukunft wünscht, sagte sie: „Dass es das Hörkino gibt, solange ich lebe.“ Liebe Regina, so gern hätten wir Dich weiter dabei. Vielen Dank für 22 Jahre mit Dir als Hörkino-Gast und begeisterte Unterstützerin. Wir vermissen Dich.

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