bremer hörkino

Radio-Geschichten live erleben

Sa, 13.01.2024

Hör-Tipps: Feature aus der Hörkino-Vorauswahl

Die Qual der Wahl. Neun Feature für das Jahresprogramm zusammenzustellen heißt auch immer, dass wir entscheiden müssen: Welche Stücke finden wir besonders spannend, was interessiert unser Publikum, was ist ein guter Themenmix? Hier eine Auswahl der Stücke, die wir nicht im Hörkino präsentieren können – hörenswert, ganz bestimmt.

Unser Mann in Rom - Erich B. Kusch - 50 Jahre Korrespondentenberichte aus Italien

Von Ulrike Petzold - Autorin aus Bremen und Italien-Kennerin. War 2021 mit ihrem Feature „Comandante Rodolfo – der Partisan aus Bremen“ im Bremer Hörkino. Damals war auch der Sohn von Rudolf Jacobs anwesend. „Wie schön wäre es, wenn es in Bremen einen Gedenkort an diesen mutigen Mann gäbe“, wünschten sich Familie und Publikum. Dank der Initiative von Ulrike Petzold gibt es nun eine Gedenktafel am Hermann Böse Gymnasium in Bremen. Im Sommer 2023 waren SchülerInnen des Hermann-Böse-Gymnasiums mit zwei Geschichtslehrerinnen in Sarzana, sie waren dort auf den Spuren des Bremer Partisanen unterwegs und haben mit den ragazzi des dortigen Gymnasiums, des Liceo Parentucelli, den Startschuss für die Schulpartnerschaft zwischen beiden Schulen, zwischen Sarzana und Bremen, gegeben und die italienischen SchülerInnen zum Gegenbesuch nach Bremen eingeladen.

Mehr dazu: http://bremer-hoerkino.de/blog/2022/09/14/ein-radio-feature-mit-folgen-comandante-rudolfo-erhaelt-gedenktafel-in-bremen

SWR, 2022

Was die Deutschen über Italien wussten, das wussten sie von ihm. Mehr als ein halbes Jahrhundert, 1955 bis 2010 berichtete der Journalist Erich Benvenuto Kusch aus Italien: über Päpste, Politik und Pizzabäcker, Kunst und Katastrophen, Leben und Landschaften.

Auf seiner Vespa kurvte der umtriebige Netzwerker durch Roms Straßen: überall zuerst, überall am nächsten dran.

Ulrike Petzold begibt sich auf die Spuren des Journalisten, trifft italienische und deutsche Weggefährten und lässt Ereignisse lebendig werden, die bis heute Italien, Deutschland und Europa prägen.


Keyboarder Karl - Geschichten vom Alleinunterhalter

Von Marc Bädorf – mit seinem persönlichen Feature „Meine Familie und die Flut - Ein Tagebuch“ begannen wir das Hörkino-Jahr 2023.

DLF, 2022

Geburtstag, silberne Hochzeit, Schützenfest: Das ist die Welt, das ist das Leben des Alleinunterhalters Keyboarder Karl. Doch oft ist dieses Leben ganz schön hart.

Eine Goldene Hochzeit in einem Hotelrestaurant in Düren. Gäste schieben sich in Anzug und Kleid um das Buffet. In einer Ecke steht ein Mann in blauem Anzug und mit schwarzer Tolle hinter einem Keyboard. Das ist er: Keyboarder Karl. Seit fast 20 Jahren verdingt er sich mehrmals in der Woche als Alleinunterhalter in ganz NRW. Auf erste Auftritte in Seniorenheimen als Jugendlicher folgten tausend weitere. Die großen Bühnen, sagt Karl, sind nicht seins. Dafür liebt er die kleinen Bühnen, die Hochzeiten und Geburtstage. Es ist ein Fenster in die deutsche Wirklichkeit.

Doch das Leben als Alleinunterhalter ist nicht leicht. Da sind die Ansprüche der Kunden. Die Verachtung der Gastwirte. Das Außenseitertum. Die Corona-Pandemie, die Karl zu einem Mann ohne Identität und Einkommen machte. Und: Die Einsamkeit, die auch Keyboarder Karl hart trifft – und über die hinweg vielleicht nur die Sängerin Linda helfen kann. Auf der Goldenen Hochzeit geht von Anfang an einiges schief. Kann es Karl dennoch gelingen, das zu tun, was er für seine Lebensaufgabe hält: unterhalten?

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-dok5-das-feature/audio-keyboarder-karl—-geschichten-vom-alleinunterhalter-100.html


Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle - Femizide in Österreich

Von Janina Böck-Koroschitz und Elisabeth Weilenmann – ein aufrüttelndes Stück, ausgezeichnet wurde das Hörbild 2023 mit dem Juliane Bartel Medienpreis 2023.

NDR/SWR/ORF, 2022

„Wie ich nach Hause gekommen bin, hat er den Hammer schon hingelegt gehabt.“ Renate Daurer wurde von ihrem Ex-Partner mit einem Hammer so schwer verletzt, dass sie wochenlang im Krankenhaus behandelt werden musste. Sie möchte anderen Frauen Mut machen, sich aus toxischen Beziehungen zu lösen. Österreich ist trauriger Spitzenreiter in Europa bei der Anzahl der jährlich auf Grund ihres Geschlechts getöteten Frauen.

Anhand von Interviews u. a. mit der Psychiaterin Adelheid Kastner, und dem Arzt Peter Klar, der einen Femizid verhindert hat, werden die Motive hinter den Morden offengelegt, präventive Maßnahmen vorgestellt und gezeigt, wie durch Zivilcourage Leben gerettet werden kann.

https://www.ndr.de/kultur/epg/Nehmt-ihr-uns-eine-antworten-wir-alle-,sendung1412104.html


Sonne, Fürst und Steuerfreiheit - Monaco - Modell für Demokratiemüde?

Von Matthias Holland-Letz – hat ein beachtetes Buch geschrieben über einen Streifzug durch den Stiftungs-Dschungel: „Scheinheilige Stifter, Wie Reiche und Unternehmen durch gemeinnützige Stiftungen noch mächtiger werden“.

WDR 2023, Thomas Nachtigall

Laufsteg der Erfolgreichen, Event-Location für Formel 1 und Tennis-Masters, Mekka für Steuerflüchtige - Monaco ist Vieles. Für manche auch Vorbild für eine streng überwachte Gesellschaft, in der ein “guter Fürst” den Bürgern die Mühen politischer Entscheidung abnimmt.

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-dok5-das-feature/audio-sonne-fuerst-und-steuerfreiheit—-monaco—-modell-fuer-demokratiemuede-100.html


Kriegsalltag – Zwei Freundinnen aus Donezk suchen einen sicheren Ort

Von Mariia Fedorova - in Donezk aufgewachsen, ist Hörfunk- und TV-Autorin, Reporterin, und Kolumnistin

BR, 2022

Katja lebt in Donezk, als Russland die Ukraine angreift. Ihre Psyche leidet, sie glaubt, sie wird verrückt. Julia musste schon mal fliehen und will deshalb nicht weg aus Kiew. Die Autorin Mariia Fedorova hat früher selbst in Donezk gelebt - ihre Gespräche mit den Freundinnen stammen aus den ersten Monaten des Ukraine-Krieges.

https://www.br.de/mediathek/podcast/radiofeature/kriegsalltag-zwei-freundinnen-aus-donezk-suchen-einen-sicheren-ort-1/1857833


Und am Donnerstag war dann Krieg - Russlands Angriff auf die Ukraine

Von Inga Lizengevic – in Russland geboren, in Belarus, Russland und der Ukraine aufgewachsen. Sie war 2021 im Hörkino zu Gast mit ihrem Feature „Wir haben uns vor diesem Sommer nicht gekannt - Aufstand in Belarus“. 2022 ausgezeichnet mit dem renommierten Prix Italia für ihr Feature „Babys für die Welt – Das Geschäft mit ukrainischen Leihmüttern“

DLF/ORF, 2023

Sie haben unterschätzt, wie willens und fähig die Ukrainer sind, ihr Land und ihre Hauptstadt Kyiv zu verteidigen. Schon nach wenigen Tagen ist Putins Vernichtungskrieg fürs erste zum Scheitern verurteilt.

Als Russland angreift, sind sich die Experten sicher: Die Ukraine wird innerhalb weniger Tagen erobert, die Hauptstadt Kyiv fallen. Es kommt anders. Land und Leute leisten bis heute erbitterten Widerstand. Krieg herrscht im Osten des Landes schon seit acht Jahren, trotzdem scheint er in Kyiv weit weg. Mit der Invasion erreicht er die Hauptstadt.

Das Feature erinnert an die Zeit unmittelbar vor Beginn des russischen Angriffs und die ersten Kriegstage. Die Autorin war noch kurz zuvor in Kyiv und hat Eindrücke einer Stadt gesammelt, die sich auf die nahenden Ereignisse vorbereitet. Sie erzählt aus ihrer persönlichen Perspektive und spricht mit Familie und Freunden in Kyiv. Manche müssen fliehen, andere entscheiden sich, zur Waffe zu greifen und sich der Armee oder der Territorialverteidigung anzuschließen. Und sie schaut zurück, wie sich das Selbstbewusstsein der Ukrainer seit der Annexion der Krim gewandelt hat.

https://www.hoerspielundfeature.de/und-am-donnerstag-war-dann-krieg-100.html


Nutztiere - Renate, Beatrix und Sau 6614

Von Christiane Seiler – Autorin vieler „Tier-Feature“, von Ameisen bis Zugvögel. Vor allem greift sie immer wieder Themen rund um das Tierwohl auf und das Verhältnis zwischen Mensch und Tier

Deutschlandfunk Kultur, 2023

Hochleistungskuh Renate steht in einem digitalisierten Stall. Rund um die Uhr liefert sie Daten: Milchmenge, Wiederkäufrequenz, Ruhephasen und vieles mehr. Ihr Körper, ihr Euter, ihr Verhalten, alles ist züchterisch optimiert für das Leben mit dem Melkroboter und anderen elektronisch gesteuerten Geräten. Wenn sie nicht mehr tragend wird schickt man sie auf den Weg zum Schlachthof. Eine Milchkuh, die nicht kalbt, ist wertlos. Sie bringt keine Milch. Beatrix schreitet der Herde von 150 Milchziegen voran zur Weide. Ab und zu lässt sie sich von der Hirtin den Kopf kraulen. In diesem Jahr hat sie nicht gelammt. Deshalb wurde sie am Morgen, bevor es auf die Weide ging, nicht gemolken. Dass sie keine Milch gibt, ist kein Problem. Ihr Nebenjob ist Landschaftspflege, sie hindert die Heide an der Verbuschung. Wenn sie in den Stall zurückkehrt, wird sie nach Kiefernnadeln duften.

Sau 6614 lebt unter konventionellen Bedingungen in einer wissenschaftlichen Versuchsanlage. Ihr Dasein bewegt sich zwischen Besamung, Trächtigkeit, Ferkel gebären und säugen. Der Kreislauf ihres Lebens ist optimal an die menschlichen Arbeitsbedingungen angepasst. Damit sie ihre neugeborenen Kinder nicht erdrückt. Wissenschaftlerinnen stellen sich Fragen: ist ein solches Schwein glücklich?

Das Feature nimmt die Perspektive dieser drei Tiere ein, nähert sich ihrem Leben, begleitet sie im Stall und auf der Weide, erkundet mit dem Mikrofon ihre Interaktionen mit Maschinen und Menschen, taucht ein in ihre unterschiedlichen Welten mit Tier- und Menschenstimmen, Maschinengeräuschen, Stall und Weide. Die akustische Dimension verleiht den exemplarischen Tieren eine eigene Stimme.

https://www.hoerspielundfeature.de/feature-nutztiere-wh-100.html


Der autoritäre Mann - Doku über Frauenhass im Netz

Von Stefanie Delfs und Antonia Märzhäuser – als ARD Radiofeature 2023 produziert. Stefanie Delfs (Jahrgang 1990) und Antonia Märzhäuser (Jahrgang 1989) wurden für ihre Recherchen und Stücke für verschiedene Preise nominiert oder ausgezeichnet.

Sogenannte Männlichkeitsinfluencer erreichen auf Plattformen wie Youtube und TikTok Millionen junger Männer. Sie propagieren männliche Dominanz und weibliche Unterwürfigkeit, verharmlosen oder glorifizieren Gewalt gegen Frauen.

Influencer wie Andrew Tate propagieren männliche Dominanz und weibliche Unterwürfigkeit. Innerhalb der Mannosphäre wird Gewalt gegen Frauen verharmlost und glorifiziert. Zugänglich für jeden, erreichen die Inhalte von sogenannten Männlichkeitsinfluencern auf Plattformen wie Youtube und TikTok Millionen junger Männer.

Während einige Teile der Mannosphäre Fitness- und Finanztipps mit männlichen Überlegenheitsideologien vermengen, propagieren andere Zerstörung und Nihilismus. Incels, Männer, die unfreiwillig zölibatär leben, tauschen in Foren Amoklauf- und Vergewaltigungsfantasien aus und richten ihren Hass nicht nur gegen Frauen und die Gesellschaft, sondern auch gegen sich selbst.

Doch die Mannosphäre eint nicht nur ihr Hass auf Frauen. Ihr Hang zu Verschwörungsideologien und ihr reaktionäres Gesellschaftsbild sind ein Nährboden für autoritäres und demokratiefeindliches Gedankengut. Rechtspopulist:innen positionieren sich auf Plattformen wie TikTok bewusst im Umfeld der Mannosphäre, um mit ihren rechtsnationalen Narrativen, eine junge Zielgruppe zu erreichen. Extremismusexpert:innen warnen, die Mannosphäre birgt nicht nur Gewaltpotential, sie dient auch als Katalysator für antidemokratische Bewegungen.

Das Feature taucht in die Welt der Online-Foren ein und begleitet gleichzeitig junge Männer, die tief drin stecken in der Welt der toxischen Männlichkeit und anderen, die sich davon losgesagt haben.

https://www.swr.de/swr2/doku-und-feature/der-autoritaere-mann-doku-ueber-frauenhass-im-netz-swr2-feature-2023-12-01-100.html


Von Stalins Willkür bis zum Terror Alijews - Das Schicksal der Bergkarabach-Armenier

Von Daniel Guthmann - Autor und Regisseur für Hörfunk, Film und Fernsehen und Filmproduzent. Auslandsreportagen und Features aus Frankreich, Spanien, Israel, Armenien und Georgien.

HR, 2023

Um das vor allem von Armeniern besiedelte Gebiet Bergkarabach streiten sich seit Jahrzehnten Armenier und Aserbaidschaner. Der territoriale Anspruch Aserbaidschans geht auf eine Entscheidung Stalins im Juli 1921 zurück. Zu diesem Zeitpunkt war Bergkarabach zu mehr als 90 Prozent von Armeniern bewohnt, wurde aber, wenn auch bald mit autonomen Status, der Sowjetrepublik Aserbaidschan zugeordnet. Nach dem Ende der Sowjetunion beriefen sich die Bergkarabach-Armenier, die seitdem fast 30 Jahre lang in einem demokratisch geführten De-Facto-Staat lebten, auf das völkerrechtliche Prinzip der Selbstbestimmung. Allerdings wurde die autonome Regierung des nun Republik Arzach genannten Gebietes international nicht anerkannt. Im Herbst 2020 griff Aserbaidschan mit Hilfe der Türkei mitten während der Corona-Pandemie die Armenier in Bergkarabach an und eroberte ein Drittel der Republik Arzach. Zwei Jahre später setzte der aserbaidschanische Diktator Alijew alles daran, auch das den Armeniern verbliebene Restgebiet gewaltsam unter seine Kontrolle zu bringen. Mit der zunehmend verschärften Blockade von Bergkarabach wurden die dortigen Armenier seit Dezember 2022 ihrer grundlegendsten Freiheitsrechte beraubt, von der Welt abgeschnitten und schließlich in eine Hungersnot gestürzt, die Menschen- und Völkerrechtler als Versuch des Genozids bewerteten. Im September 2023 folgte ein erneuter Angriff Aserbaidschans und die Vertreibung der Armenier aus Bergkarabach. Der Autor Daniel Guthmann erzählt in diesem Feature die Geschichte der Bergkarabach-Armenier und beschreibt die aktuelle Lage in der Region.

https://www.hr2.de/podcasts/dokumentation-reportage/das-schicksal-der-bergkarabach-armenier—-von-stalins-willkuer-bis-zum-terror-alijews,podcast-episode-126330.html

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